Wie die Kinder

Seit dem letzten Herbst habe ich mir schon vorgenommen, den Themenkomplex "Feminismus, Sexismus, Gleichberechtigung" auch hier ins Blog zu holen. Hauptsächlich um Denkanstöße an den Stellen zu bekommen, an denen ich selbst dabei nur sehr zäh vorwärts komme. Denn jedes mal, wenn ich anfange mir dazu Gedanken zu machen kommt dabei so ein "Meeeh" Gefühl auf.

Sofort wird es laut in meinem Kopf, und Altfeministinnen schreien in Talkshows jüngere Mitstreiterinnen an, nur um gemeinsam jeden Einwand eines Mannes zu übertönen, während sich die Moderatorin der Sendung durchzusetzen versucht. Eine Kakophonie von inneren Geräuschen, die bei mir zuverlässig eine vernünftige gedankliche Auseinandersetzung verhindert.

Nach einem halben Dutzend dieser Fehlversuche, habe ich mich dann darauf beschränkt zunächst einmal herauszufinden, was es denn genau ist, dass schon beim Gedanken an eine Diskussion mit Feministinnen dieses Krawallgefühl aufkommen lässt. Ich will doch mit ihnen reden, warum gehe ich innerlich in eine Abwehrhaltung nur bei dem Gedanken daran.

Hilfreich war dabei vor einigen Tagen eine Frage in einem Fragebogen. Es ging darum, wie es zu bewerten sei, das ein Mann einer Frau die Tür aufhält. Zur Antwort standen (aus dem Gedächtnis)

  • ist selbstverständlich
  • ist nett
  • ist egal
  • ist unverschämt

Ich selbst habe "ist nett" gewählt, und hätte eigentlich vermutet, dass ich bei Frauen häufig ein "ist egal" zu lesen bekäme. Für mich erstaunlich häufig, empfanden Frauen das jedoch als unverschämt. Und Zack! war es wieder da. Dieses Gefühl vom genervt sein von diesen "blöden Emanzen", das unter Männern durchaus verbreitet ist.

Eine Frau begründete das auch kurz mit einem "Ich kann das alleine". Als Aussage ist das so ja auch richtig, aber als ich das gelesen habe, fiel mir plötzlich ein, das ich dieses nervige Gefühl bereits kannte, nämlich aus der eigenen Familie. Vermutlich alle Eltern kennen den Satz "Ich kann das alleine" wohl aus der Zeit als der Nachwuchs so ca., 3 Jahre alt war. Da stellt so ein Kind dann fest, das Eltern ja auch mal meckern, oder sonstwie lästig sind und startet rebellisch seinen ersten "Ich kann das alleine" Feldzug. Anziehen am morgen - kann es alleine. Brot schmieren - alleine. Badewasser einlassen - alleine.

Es ist eine spannende Zeit, in der viel schief geht, aber das Kind auch eine Menge lernt, und mit etwas Geschick der Eltern auch eine Menge Selbstbewusstsein aufbauen kann, dennoch bleibt die Zeit oft als die nervigste Zeit der Kindererziehung im Kopf. dabei will auch hier niemand dem anderen wirklich etwas böses.

Das Kind möchte das gleiche tun wie die Eltern (aus seiner Sicht gleichberechtigt sein), die Eltern können leider nicht jeden Wunsch erfüllen. Sei es wegen lauernder Gefahren, aber oft genug auch aus so banalen Gründen wie Zeitmangel, oder einer Gedankenlosigkeit die aus Routine entsteht. Diese Gründe aber dem Kind verständlich zu machen brauchen viel Geduld bei endlosen Diskussionen in dieser Zeit.

Jetzt gibt es natürlich einen gewaltigen Unterschied zu Diskussionen mit erwachsenen Frauen. Denen muss man nichts mehr erklären und sie auch nicht vor sich selbst beschützen. Dennoch ist es immer wieder der Fall, das eine recht gedankenlose Handlung, die noch dazu nett gemeint war, wie das Aufhalten einer Tür, zu einer nervigen Diskussion führt, die selten sinnvoll ist. Denn wenn ich mich beim Betreten einer Räumlichkeit kurz umsehe und die Tür aufhalte (übrigens auch für Männer), und mich dann anschließend in einer Belehrung über die Geschichte der Frauenbewegung seit 1950 wiederfinde, dann ist das einfach nur nervig.

Es gibt durchaus vieles, was längerer Diskussionen würdig ist, aber dieses wütende "Frau kann das alleine" erzeugt im Alltag eigentlich nie eine gutes Gespräch. Ich hatte davon schon eine ausreichende Menge, um jetzt zunächst aktiv gegen dieses "Och nöö, nicht schon wieder" Gefühl angehen zu müsse, bevor ich wieder mehr auf Gedanken als auf Gefühle setzen, und ein ruhigeres Gespräch führen kann.

Und dabei hilft es mir eben, wenn ich mir wie damals bei meinem Kind sagen kann "Eigentlich meint sie das jetzt nicht böse" Im Gegensatz zu der nervigen Zeit der Erziehung werden wir das Thema Gleichberechtigung/Sexismus/Feminismus aber noch viele Jahrzehnte miteinander bearbeiten müssen, und ich würde mich freuen, wen viele der kleinen Aufreger nur das blieben, was sie sind: unzeitgemäß, schrullig, oder gedankenlos, aber kein Grund nicht mehr über die wichtigeren Themen zu reden.

tl;dr: Obwohl Gespräche über Feminismus ebenso wie die Trotzphase ungeheuer wichtig sind, erzeugen sie bei mir das gleiche Gefühl von Genervtheit. Um die Trotzphase kommen wir nicht herum, aber beim Feminismus sollten wir besser davon loskommen.