Wie ich SPrachen lernte

Ich habe noch nie bei einer Blogparade mitgemacht, aber das Thema ist schon sehr verlockend. In Kürze wird unsere Tochter in der Schule nämlich französisch als zweite Fremdsprache bekommen, und damit zum ersten mal ein Fach, in welchem ich nie auch nur eine einzige Unterichtsstunde gehabt habe.

Ich bin mir noch nicht sicher wie intensiv ich mich da selber reinhänge - die Gelegenheit wäre günstig. Vermutlich wird es mir reichen, wenn ich gelesenen Text richtig aussprechen kann, und ansonsten reicht dann wohl das bisschen raten, das ich mit allen romanischen Sprachen ganz gut hin bekomme.

Ich bin vom Lerntyp eher jemand, der für die Ewigkeit lernt. Das stupide Lernen von Daten und Fakten für eine Klassenarbeit lag mir noch nie. Dafür kann man mich bei allem, was ich wirklich begriffen habe zu jeder Tages- und Nachtzeit wecken, und ich kann es erklären.

h3. Zu Anfang

Meinen ersten Kontakt zu anderen Sprachen hatte ich im Kindergartenalter, während der Urlaube. Diese verbrachten wir mit schöner Regelmäßigkeit an der Westerschelde in den Niederlanden. Dort gab es eine kleine Anlage aus Ferienhütten, und in fast jeder dieser Hütten waren Familien mit Kindern. Freundschaften wurden quer über alle Sprachgrenzen geschlossen, und jeder redete einfach in seiner Muttersprache. Wenn etwas nicht auf Anhieb verständlich war, wiederholte man es einfach etwas lauter nochmal, und ging danach zu Pantomime über. Es war sehr lustig

So blieb es auch während der Grundschulzeit. Englisch war dort überhaupt kein Thema. Laut meinem Opa klang es aber genau so, als ob man mit einer heißen Kartoffel im Mund spricht. h3. Auf dem Gymnasium

Nach der Grundschule kam ich zunächst auf ein altsprachliches Gymnasium. Das bedeutet, meine erste Fremdsprache war Latein. Der Vorteil an Latein ist, das man sich nicht an merkwürdige Aussprachen gewöhnen muß. Lediglich ob ein 'C' nun eher wie ein 'ts' oder ein 'k' gesprochen wird unterliegt wohl einer Mode, die alle paar Jahrzehnte mal zu wechseln scheint. Außerdem wird in Latein als Schulfach nie vom deutschen nach Latein übersetzt. Es gibt ja niemanden mehr, mit dem man sich auf Latein unterhalten könnte. Zusammen mit der Tatsache, das eben auch das Vokabular in Antiken Zeiten stehen geblieben ist, wurde das Fach für mich dadurch unrelevant fürs Leben, und daher schwer erlernbar.

Lediglich die Grammatik befand ich damals für erlernenswert, das sie sich vereinfacht auch im deutschen wiederfindet. Als das Töchterlein sich neulich mit deutscher Grammatik herumschlagen durfte, war sie ebenso erstaunt wie ich, das ich nach über 30 Jahren noch fließend alle zeiten, Personen und Deklinationen beherrsche.

In Klasse 7 bekamen wir dann das erste Mal Englischunterricht. Der Lehrer betrat den Raum und hielt einen etwa 5-minütigen englischen Monolog unbekannten Inhalts, und teilte uns danach mit, dass wir das am Ende des Schuljahres alles verstehen würden. Positiv im Kopf behalten habe ich die wilden Buchstabierwettbewerbe, die dazu geführt haben, das ich heute noch genau so schnell deutsch wie englisch buchstabieren kann. Und tatsächlich haben wir dann am Anfang des nächsten Schuljahres damit begonnen den ersten Roman zu lesen (Sherlock Holmes - The spreckled band). Aber da waren sowohl meine Latein, als auch meine Englischnote bereits auf steilen Abwegen, da ich mich irgendwie unwohl damit fühlte, zwar die Magna Carta zu kennen, aber wir waren immer noch nicht in der Lage uns mit einem Engländer über seinen Lieblingsfußballverein zu unterhalten.

Als klar war, das ich mit insgesamt nicht so tollen Noten die Schulform wechseln muß, war auch schnell klar, das ich nicht zur Real- sondern zur Hauptschule gehen werde. Ich hatte schließlich erst 2 Jahre Englisch, und auf der Realschule wäre ich in eine Klasse gekommen, die schon 4 Jahre davon gehabt hätte, plus zwei Jahre Französisch, die ich dann hätte aufholen müssen.

h3. Auf der Hauptschule

Beim Wechsel zu Hauptschule habe ich dann auch freiwillig ein Jahr wiederholt, um diesen Abstand auszugleichen. Im nachhinein war es wegen der Sprache absolut unnötig. Wir waren am Ende der 10. Klasse etwa auf dem Niveau, wie nach zwei Jahren Gymnasium, nur das Vokabular entsprach eher dem, was man eben im Alltag, und im normalen Gespräch so braucht. Ich konnte mich etwas entspannt zurücklehnen, und begann mich mit der Sprache anzufreunden. Es war die Zeit der beginnenden Computervernetzung (für mich damals das Fidonetz) und ich bekam Spaß daran, Mails über das Netz an Australier und Engländer zu schicken, um auszuprobieren, ob ich tatsächlich verstanden wäre. Und ich wurde!

h3. Während der Ausbildung

In der Ausbildung war englisch dann kein Thema mehr. Ich habe Fernmelder gelernt, und der einzige Kontakt zu Sprachen bestand in einem Computerclub in Holland, dessen Mitglieder eine Publikation für meinen Homecomputer auf englisch verfasst hatten. 400 Seiten mit der Schreibmaschine geschriebenes Zeug. Das war damals meine Bibel. Danach war ich recht fit, was den EDV-Fachwortschatz angeht. Gesprochenes Englisch hatte ich allerdings schon lange nicht mehr gehört.

h3. Im Studium

Im Studium (Informatik) herrschte in der Bibliothek wie wahrscheinlich überall ein echter Fachbuchmangel. Oft verließen die Kommilitonen die Vorlesung schon unmittelbar nachdem die Literaturliste für das Semester ausgegeben worden war. Am Ende der Vorlesungsstunde war das Buch dann üblicherweise vergriffen, oder es gab nur noch die englischen Ausgaben. Dadurch, das ich mir die dann regelmäßig geliehen habe, kam ich schnell dahinter wie oft in den deutschen Übersetzungen auch sachliche Fehler eingebaut wurden. Dadurch bin ich immer mehr dazu übergegangen mir Fachliteratur nur noch in Englisch zu besorgen.

Am Ende des Studiums würde ich sagen, war mein Fachenglisch sehr gut, lesen und schreiben gut, sprechen schwach befriedigend. Das änderte sich aber mit dem Ende des Studiums, das ich dann wegen Realismus abgebrochen habe. ("realistisch gesehen bin ich alt bis ich fertig bin") Danach musste ich zunächst mal meine Kasse wieder aufbessern, und habe den ersten Vollzeitjob angenommen, der zu haben war. Damals führen die Engländer aus unserer Kaserne nach Afghanistan, und suchten Leute, die in der Zwischenzeit dort Wache stehen. Das ganze war auf 7 Monate begrenzt, es waren 12-Stunden-Schichten in denen 4-6 Stunden Arbeitszeit, und der Rest Bereitschaftszeit auf dem Gelände war.

Diese Bereitchaftszeiten verbrachten wir also mit drei handvoll englischer Soldaten und einer unermesslichen Zahl an Videos im O-Ton. Innerhalb der 7 Monate war ich recht flüssig in der Konversation, und fürs echte Leben musste ich mir nur die ganzen 'Fucks' und 'Shits' wegdenken, von denen so ein Soldat 2-3 in jedem Satz einfügte. Trotz allem war ich am Ende allerdings immer noch nicht in der Lage mitzuteilen, welches Spice Girl denn nun unbedingt Mutter meiner Kinder werden soll. Ich kannte ja nicht mal deren Namen.

h3. Im Beruf

Im Beruf hatte ich insgesamt so an die 50 Stunden Wirtschaftsenglisch, aber wirklich nötig war es anfangs nicht Irgendwann bin ich dann mal bei einem Kunden in den Niederlanden gewesen, es war übel kalt im Hotel, und ich hatte vor mich mit einem Buch in die Badewanne zu legen. In der dortigen Buchhandlung gab es allerdings nichts deutschsprachiges, aber dafür den ersten Band des gerade erschienenen Harry Potter Romans auf englisch. Der hatte mich dann auch sofort gepackt, und ich habe mir eine schöne Regelmäßigkeit daraus gemacht, jedes Jahr den neuesten Band zu lesen, und so mein Sprachgefühl frisch zu halten. Ich bilde englische Sätze zu etwa 2/3 aus dem Gefühl heraus, was richtig klingt.

Seit Ende der Potter Zeit bin ich auf britische Serien umgestiegen, Sherlock und Dr. Who vor allem.

Meine formale Englischausbildung beschränkt sich also auf normales Hauptschulzeugs + viieel Lesen, hören, sehen, reden. Englisch ist für mich das Internet unter den Sprachen. Es verbindet mich mit Menschen und Ideen.

Ansonsten wären da noch:

Niederländisch: Kann ich nach 15 Jahren regelmäßigen Urlauben und der Nähe zum westmünsterländer Platt zu fast 100% verstehen. Schreiben und sprechen allerdings überhaupt nicht.

Japanisch: Fasziniert mich noch immer, weil es eine vollkommen andere Grammatik besitzt. Ich hatte mal ein halbes Jahr an der VHS aber für mehr fehlte immer die Zeit. Seither bin ich aber zumindest in der Lage aus japanischen Dialogen die Satzstruktur herauszuhören, und einzelne Worte zu erkennen.