Ich vermisse Twitter

Anfang des Monats habe ich mein Twitter-Konto geschlossen. Der Grund dafür lag im wesentlichen in der Zeit, die das Lesen des Twitter-Streams mich täglich kostete, und an der Art, in der es mich mental an dieses Medium band. Ich hatte bei Twitter immer schon den Anspruch, das ich von den Menschen, denen ich so folge eben auch alles lesen möchte. Diese Art Twitter zu nutzen ist nicht selbstverständlich, denn wenn ich sehe, das jemand mehr als 500 Leuten folgt, von denen mehrere Dutzend auch noch einen Output von mehr als 50 Tweets am Tag habe, dann kann ich mir nicht vorstellen, wie man da alles mitbekommen soll? Das ist für mich wie ins Kino zu gehen, dort aber immer nur mal hin und wieder in den Saal zu schauen, wie der Film in der Zwischenzeit weitergegangen ist.

Für mich war Twitter eher wie ein Buch, bei denen ich den Charakteren folge und ihre Entwicklung miterlebe. Daher bin ich auch nur selten Leuten gefolgt, mit denen ich sowieso im täglichen Leben umgehe. Es waren eher die stillen Menschen, die einfach hin und wieder ein Stück normales Leben twittern. Im Laufe der Zeit wurden sie zu einer Art Serienfamilie, deren Eigenarten man aus vielen Folgen kennt, in lieben gelernt hat. Entsprechend schwer fällt mir diese Trennung.

Eine Handvoll Twitterati vermisse ich echt. Ich wüsste wirklich gern ob die Eule Herzklopfen in Hachgefühl verwandeln kann. Und hin und wieder fehlt mir auch die Möglichkeit meine eigenen Gedanken einfach mal ungefiltert los zu werden. Und sei es nur um ein kleines digitales Kopfnicken in Form eines Sternchens zu bekommen.

Leider erzeugt diese Verbundenheit mit den Menschen eben auch eine Art emotionale Achterbahnfahrt, bei der ich übermäßig viel Zeit brauche um wieder auf Alltag zurück zu schalten. Es ist wie bei einem guten Film, nachdem man erstmal eine Moment bei einem Glas Wein braucht, bis man sein Leben einfach fortsetzt. Wenn man eine halbe Stunde später wieder so einen Film sieht bleibt dazwischen wenig Platz für Normalität.

Im Moment fahre ich ein Experiment. Ich habe mir ein Skript programmiert, dass mir alle 3 Stunden die neuen Tweets einer Handvoll Lieblingstwitterer per Mail zusendet. Das geht auch ohne selbst ein Konto zu haben, da normale Tweets ja per Default öffentlich sind. Leider fehlt mir noch eine Idee für einen vergleichbar einfachen Rück-Kanal. Im Normalfall habe ich zu den Twitterern ja keine Mail-Adresse.

Um das zu lösen schwebt mir eine Art kleiner RSS-Feed vor, den dann jeder Abonnieren könnte, der das möchte, aber das wäre eher ein Thema für einen technischen Blogeintrag. Dieser hier ist bewusst unter Persönliches einsortiert worden.

tl;dr: Liebe Leute ihr fehlt mir!