Barclay James Harvest - Live

Hin und wieder weht durch unsere Kleinstadt der Wind der großen weiten Welt. In diesem Fall geht es um ein musikalisches Großereigniss.

Wenn bei uns in der Gegend ein musikalisches Großereignis ansteht, dann denkt man in der Regel eher an den örtlichen Orchesterverein, oder das überregional bekanntere "Krach am Bach". Um so überraschender war es, als der neue Wirt der "Alte(n) Herrlichkeit" ankündigte, das Barclay James Harvest ein Livekonzert hinter seinem Lokal spielen werden. Die Karten waren entsprechend schnell ausverkauft, und wir harrten der Dinge, die dann am vergangenen Wochenende kommen sollten.

Sie kamen. Schon am Eingang stellten wir fest, dass dies das älteste Publikum war, das wir je auf einem Konzert angetroffen haben. Der Schnitt dürfte so bei 50 Jahren gelegen haben. Auf dem zweiten Blick (und mit etwas nachrechnen, war dann aber klar, dass das nicht anders zu erwarten war. Die Leute waren eben damals, Mitte der 70er, zwischen 15 und 20 und damit im prägenden Alter für den Musikgeschmack. Ich selbst war da gut 10 Jahre alt, und habe nur nach am Rande mitbekommen, dass in Berlin ein tolles Konzert war.

Nun, Die Gruppe von damals gibt es in der Form heute natürlich nicht mehr. Sie haben sich irgendwann getrennt, und die marketing-mäßig schlaue Lösung gefunden, das jeder von ihnen den Namen Barclay James Harvest weiterverwenden darf. Schlußendlich sind daraus dann zwei Formationen entstanden, von denen unsere unter dem Namen BJH featuring Les Hollroy tourt.

Nach der wirklich guten Performance der Vorgruppe (Boogie & Blues), die die schwere Aufgabe hatten den gemeinhin als stur verschrieenen Westfalen in Wallung zu bringen, betrat dann um 21:45 die Hauptgruppe mit einem knappen "Hello" die Bühne. Was die Musik angeht, kann ich auch überhaupt nicht meckern. Es war wieder Barclay, wie man es auch von den Studioalben kennt. Perfekter Gitarrensound mit ausgefeilten Variationen sorgten für eine entspannte Klangwolke, die durch das Publikum waberte. Nach 70 Minuten und einem "Thank you" war das ganze dann auch schon wieder vorbei, und wurde noch schnell mit den einzigen beiden mir bekannten BJH Songs als Zugabe abgerundet.

Insgesamt war es also ein gelungener Abend in gechillter Atmosphäre, bei dem die Barclays bei mir einen sehr sterilen Eindruck hinterlassen haben. Im Zweifel ist mir dann doch eine Band lieber, die auch einig Worte mit dem Publikum reden, in denen es sich nicht um die eigenen Bild- und Videorechte dreht. Daher gibt's auch hier kein Bild und Ton, weil ich es natürlich respektiere, wenn eine Gruppe in Vergessenheit geraten möchte.