Gnome3 ist bei mir angekommen

Ich geb’s zu, was die Oberfläche meines Linux angeht mag ich keine Veränderungen, daher war ich auch recht skeptisch als das letzte Update meiner Linux Mint Debian Edition sich anschickte diesen heißgeliebten Desktop komplett auszutauschen. Immerhin bin ich nur zu Mint gewechselt, weil Ubuntu den Wechsel zum Unity Desktop angekündigt hatte, und ich lieber weiterhin “klassisch” arbeiten wollte.

Die ersten 10 Minuten mit der neuen Oberfläche waren dann auch zunächst ein echter Kulturschock. Ich fühlte mich, als säße ich vor einem Rechner mit einem komplett anderen Betriebssystem. Aber die Kommandozeile reagierte wie immer, und es kam ein wenig heimelige Stimmung auf. So habe ich mich dann doch ans Werk gemacht um nach und nach alle Unebenheiten zu beseitigen, die mir im Wege standen, oder noch immer stehen. Mittlerweile bin ich auch weitgehend versöhnt

Für den Fall das noch jemand mal mit seinem Gnome 3 kämpft stelle ich mal zusammen, wo ich noch Hand angelegt habe, bzw. es noch tun muss:

Die Delete Taste

Ja, auch mir ist es schon passiert, dass ich eine Datei mal eben gelöscht habe, die ich eigentlich noch aufbewahren wollte. Aber seit es den Papierkorb gibt, habe ich zumindest alles einfach wieder herausholen können. Ich hatte mir sogar ein kleines AddOn installiert um Dateien mittels Shift-Delete unmittelbar und unter Umgehung des Papierkorbs löschen zu können.

Als ich das erste mal bei Gnome 3 auf die Delete-Taste drückte passierte genau: nichts. Es scheint dort tatsächlich per Default so zu sein, das man Ctrl-Delete drücken muss um etwas in den Papierkorb zu verschieben. Kann man umlernen, aber bei einer so alltäglichen Funktion wollte ich das dann doch nicht.

Da Google mein Freund ist hatte ich kurz drauf dann auch den freundschaftlichen Rat, den Hotkey in Nautilus einfach zu ändern. Das geht in der Datei ~/.gnome2/accels/nautilus Dort gibt es eine Zeile in der Art

bc. (gtk_accel_path "<Actions>/DirViewActions/Trash" "Delete") 

die auskommentiert und in dieser Form angepasst werden muss.

Die Fenster-Dekoration

Zugegeben, die neue Dekoration ist schick. Design-Nerds könnten hier schon mal feuchte Träume bekommen. Ich bin leider keiner. Stattdessen vermisse ich immer noch mein gutes altes 4:3 Seitenverhältnis beim Monitor, besonders in der Höhe und habe daher meine Fenster immer komplett ohne Rahmen und Dekoration anzeigen lassen. Ich benötige weder den Close-Button, noch die verschiedenen Möglichkeiten des Resizings. Dafür habe ich noch keine Lösung. Wie schalte ich die Fenster-Dekoration komplett ab?

Der Tiling Desktop

Der Hauptgrund warum ich die Resizing-Funktionen nicht benötige war bisher ein kleines AddOn, mit dem ich “Window-Tiling” gemacht habe. Auch hier brachte mich eine kurze Google-Suche auf die Gnome 3 Extension gTile:https://extensions.gnome.org/extension/28/gtile/. Die funktioniert auch soweit wirklich gut. Ich habe meinen Desktop in ein 3*3 Gitter aufgeteilt und nutze z.B mit dem Browser meist nur die linken ⅔ während der Twitter-Client das restliche Drittel füllt.

Leider muss ich jedes Fenster dabei zunächst mal mit mehreren Mausklicks platzieren. Früher ging das mit einem Tastendruck, und ist bei mir komplett in Fleisch und Blut übergegangen. Damit stehe ich wohl auch nicht ganz alleine da, und der Wunsch einer Tastatursteuerung ist schon an den Autor dieser Erweiterung herangetragen worden. Er scheint auch nicht völlig abgeneigt daran zu arbeiten. Wenn alle Stricke reißen ist’s ja Open Source, dann mache ich mich eben selbst dran.

Die Anordnung der Workspaces

Viele werden ja noch den berühmten Cube kennen auf dem man 4 Desktops, die nebeneinander lagen prima (und optisch eindrucksvoll) umschalten konnte. Ich hatte es zwar lieber etwas schlichter aber ich hatte eben auch 4 Workspaces nebeneinander und konnte mal eben zwischen diesen hin und her rutschen. Diese Workspaces werden nun automatisch mehr, wenn man ein Fenster auf einen neuen Workspace zieht (was echt geil ist) und weniger wenn man das letzte Fenster auf einem Workspace wieder schließt (was noch geiler ist) aber sie sind übereinander angeordnet. Boah, was bin ich dabei ein Gewohnheitstier. Ja, ich kann mittlerweile wieder mit der Tastatur zwischen den Workspaces rumrutschen und dabei auch Fenster verschieben, aber ich bekomme noch jedesmal Gänsehaut unter der Zunge.

Die Default-Anwendungen

Ebenso wie ich die bisherigen Funktionen des Desktops ausschließlich mit der Tastatur bedient habe, wurde natürlich auch die Hotkeys für Mail und Internetbrowser eifrig genutzt. Diese Möglichkeit gibt natürlich auch in Gnome 3 noch aber in der Standardinstallation standen dort bei mir Mutt als Mail-Client und Epiphany als Browser eingetragen . Früher konnte man in den Einstellungen diese Programme einfach ändern, indem man dort etwas anderes eintrug. Heute sind das aber lediglich Dropdown-Boxen, in denen werde mein Firefox, noch mein Thunderbird zu Auswahl auftauchen. Wie bekomme ich das hin?

Die Passworteingabe

Ein unschönes Phänomen zeigt sich auch, wenn der Rechner wieder aus dem Suspend-Modus aufgeweckt wird. dann besteht nämlich zunächst mal keine WLAN Verbindung mehr. Vermutlich würde diese nach einiger Zeit auch von selbst wieder aufgebaut werden, aber da das Netz an manchen Stellen im Hause sowieso manchmal überhaupt nicht gefunden wird helfe ich in der Regel unmittelbar nach dem aufwecken nach, und sage dem Rechner, mit welchem Netz er sich verbinden soll. Daraufhin kam bisher immer die Passwortabfrage. Anfangs habe ich dort immer das Passwort des WLAN eingegeben, und zwar immer erfolglos. Irgendwann ging mir dann auf, das hier das root-Passwort gefragt war, wohl weil Linux das Netz gleich für alle Benutzer einrichten will. Aber erstens sollte diese Abfrage nur einmal kommen, und dann nie wieder, und zweitens wäre es nett, wenn mir der Passwort-Dialog sagen würde, wofür das Passwort benötigt wird, dann wüsste ich auch welches ich eingeben muss.

So, das soll fürs erste reichen. Über das Instant Messaging lasse ich mich dann später mal aus.