Das Rätsel des akustischen Wasserzeichens

Ich mag ein gutes Rätsel, und was da wor einer guten Woche in meinem Postfach landete ist ein verdammt gutes Rätsel.

Ein Rätsel ist genau dann für mich großartig, wenn man beim Versuch es zu lösen etwas lernt. Über sich und die Geduld, die man aufzubringen in der Lage ist, wenn einen etwas wirklich interessiert. Oder auch über so greifbare Dinge wie Geschichte oder Technik.

Das erste Rätsel, dass mich so in den Bann zog war das Milleniums-Rätsel der GEO , und das dürfte 1999 gewesen sein. Es bestand, wenn ich mich recht erinnere in der ersten Phase aus 24 kleinen Rätseln des bekannten Autors CUS, die dann in der Antwort auf eine Karte mit Koordinaten hinwiesen, auf der man dann mit Hinweisen aus der ersten Phase schließlich zum Ziel kam. Ich habe zusammen mit meiner damaligen Freundin eine komplette Woche in der Bücherei verbracht, und eine Menge über die Geschicht von Kronen diverser Königshäuser, Robinson Crusoe, Haribo Weingummi und Schiffsbeleuchtung gelernt. Und es war zu keiner Sekunde langweillig.

Das aktuelle Rätsel ist eher technischer Natur, aber auch hier konnte ich mal wieder verschüttetes Wissen hervorholen, und einiges neues dazulernen. Es geht um eine MP3 Datei mit einem Lied drin, das Lied an sich ist vermutlich belanglos. In diesem Lied ist eine 8 stellige Zahl versteckt, die es zu finden gilt. Die Hinweise, die es noch dazu gab:

Man kann die Datei auch in eine WAV oder OGG Datei konvertieren, wenn man möchte,die Zahl ist dann immer noch drin versteckt.

Gerade dieser Hinweis schließt schon mal eine ganze Anzahl an trivialen Lösungen aus. Das typische steganografische verstecken im niederwertigsten Bit zum Beispiel, denn da es sich bei MP3 und Ogg um psychakustische Kopressionsverfahren handelt, ist nicht sichergestellt, dass diese Bits erhalten bleiben.

Es gibt aber durchaus einige Verfahren, um Informationen in einem Audiosignal zu verstecken, so das es möglichst noch die wildesten Konvertierungen übersteht. Kommerziell wird das zum Beispiel genutzt um Songs mit einem digitalen Wasserzeichen zu versehen, und so Kopien zu verfolgen. Mit einem ähnlichen Verfahren im Bildbereich ist Blizzrds World of Warkraft vor kurzem aufgefallen, als sie Screenshots unauffällig markiert haben.

Ich gehe also derzeit bei der Suche davon aus, dass die Zahl ähnlich einem Wasserzeichen in den Daten versteckt ist. Zwei bekannt gewordene originelle Anwendungen habe ich dabei gefunden:

  • 2010 hat ein Funkamateur es geschafft einen QR-Code als Bild in einem Funksignal zu verstecken das Bild wurde sichtbar, wenn man das Signal aufzeichnete, und als Frequnzspectrogamm am Bildschirm ausgab
  • Anlässlich der Premiere des Films The Dark Knight Rises wurde im Vorfeld eine Audiodatei in Umlauf gebracht. Wenn man diese auf einem Gerät abspielte, welches ein Live-Spectrogramm anzeigt (einige Programme auf dem PC machen das als optisches Schmankerl) dann sah man in den Tanzenden Pegeln Schrift, die auf eine Internetseite hinwies.

Der erste Fall ist besonders spannend, das es sich beim Rätselsteller um einen Funkamateur handelt, dem diese Geschichte bekannt sein könnte.

Und so lese ich mich nun schon seit Tagen durch alles mögliche zum Thema digitale Wasserzeichen, und kenne jetzt 3 komplett verschiedene Verfahren um Informationen unsicht- und unhörbar in einer Audio-Datei abzulegen. Ich starre in Spectrogramme, und grüble darüber nach, ob Phasendreher eine Konvertierung nach Ogg überstehen würden. Ich verstehe die technischen Zusammenhänge in der Akustik, von denen ich vor 2 Wochen nicht mal die Wörter gehört hatte.

Alles in allem: Es ist ein großartiges Rätsel. Ich werde mal nachfragen, und euch gegebenenfalls die Datei nachreichen, aber zunächst mal knabbere ich weiter alleine dran, Denn nichts ist doofer, als wenn ein anderer einem ein schönes Rätsel einfach so vor der Nase weg löst.