Gelesen: Hühnergötter

Ich hatte mal wieder Lust auf einen Krimi, aber in der ePub Ausleihe der Stadtbücherei gab es gerade nichts was mich wirklich überzeugt hätte. Also habe ich es mit etwas völlig unbekanntem versucht. Einem Krimi mit Lokalkolorit. Für Hiddensee.

Bei solchen Romanen bin ich ja generell eher skeptisch. Ich habe mal in einen der "Münster-Krimis" von Jürgen Kehrer rein gelesen. Insgesamt solide Geschichten, die im Fall der Münster-Krimis sogar alles andere als banal sind, die aber mit einer derartigen Penetranz mit Details über Orte und Geschichte angereichert sind, das das Lesen nicht wirklich Spaß macht. Als jemand, der noch nie vor Ort war, sagen einem die erwähnten Straßen und Plätze in der Regel nichts, als einheimischer fragt man sich dauernd, "Welcher Idiot würde hier einen Mord begehen, wo doch diese Straße alltags nie menschenleer ist"? Daher vermute ich die Zielgruppe solcher Romane ja auch in Touristen, die ein nettes Souvenir suchen, und ständig verzückt "da waren wir auch" jauchzen, während sie der Geschichte folgen.

So fühlte sich für mich auch dieser Roman an. Ich erfahre etwas über die Fahrtzeiten der Fähre, Kekse die unbedingt zu einer ordentlichen Kaffeetafel gehören und sehe die Scharen von Urlaubern quasi vor mir, die mit Eimern und Schäufelchen beladenen glücklichen Kindern zum Strand folgen. Die beiden AutorInnnen sind also durchaus in der Lage mit Sprache umzugehen. Ehrlich gesagt, an der Sprache dieses Buches hatte ich meine helle Freude.

Nicht ganz so gut gefiel mir die Ausgestaltung der Geschichte. Die Figuren kommen recht flach daher, was in ihnen vorgeht wird nur kurz angedeutet. Jeder erfüllt die Rolle, die er eben in einem typischen ZDF-Freitagabendkrimi zu erfüllen hätte, und mischt sich auch ansonsten nicht weiter in den Handlungsstrang ein. Ich gebe ja zu, ich habe das Buch auch deswegen ausgeliehen, weil es so kurz ist, und ich einen Fehlgriff daher nur zwei Busfahrten lang bereuen würde, aber hier hätte eine längere Ausgestaltung der Geschichte zugunsten einer Nebenhandlung, oder mehr Tiefe der Figuren dem Roman gut getan. Der Sprachstil wäre es allemal wert gewesen.

Fazit nach zwei Busfahrten: Ich habe es nicht bereut, aber es war auch nix dolles. Als Tourist von Hiddensee hätte ich wahrscheinlich dauernd freudig gejauchzt.