Hacker und Politik

Gestern Abend war das Radio im Hackerspace. Die Frage, der der Reporter nachging war eindeutig: "Wie sehen Hacker die Piratenpartei, und warum?

Das größte Problem war wohl, das er die Interviews während des ganz normalen Betriebs dort führte. Der Hackerspace ist nämlich ein eingetragener Verein, und als solcher hat er sich aus der Politik herauszuhalten. Dementsprechend gab es auch kaum ein Interview, in dem nicht betont wurde, dass man sich ja hier nur mit seiner privaten Meinung äußert, und auf gar keinen Fall die Meinung des Vereins wiedergibt. Ich persönlich habe das getan, in dem ich mich gestern Abend tatsächlich überhaupt nicht geäußert habe. Das ist für die Funktion des Vereins einfach am sichersten. Für solche Gedankengänge habe ich schließlich dieses Weblog.

Hacker, was ist das?

Die häufigste Verwendung des Wortes ist wohl die im Sinne von Angreifer auf ein Computersystem. Wir begegnen ihr mittlerweile fast täglich in der Presse. Natürlich finden diese Angriffe tatsächlich statt, aber nicht jeder Hacker ist tatsächlich ein Angreifer, der einen irgendwie gearteten Schaden anrichten möchte.

Hacker selbst unterscheiden daher oft nach Whitehat und Blackhat, also in Gut und Böse. Wie auch im Alltag ist dabei der Übergang oft verschwommen. Die Trennung in die bösen Hacker gegen die gute Regierung ist spätestens seit die USA die Beteiligung an gezielten Hackerangriffen auf ausländische Computersysteme zugegeben haben obsolet. Das Hacking selbst ist für den Hacker erst einmal wertneutral. Den Kern der Tätigkeit habe ich wohl letzten in einem Tweet mal getroffen, ohne mir wirklich Gedanken darüber gemacht zu haben

Hacken ist für mich die Überwindung einer Sperre im Kopf, die in der Realität nie bestand, von der aber jeder glaubt, das sie real ist. Um beim Beispiel des Lockpicking (dem öffnen von Schlössern ohne den passenden Schlüssel) zu bleiben: Die Barriere im Kopf besteht darin, zu glauben, das ein Schloss ohne Schlüssel immer verriegelt ist, und nur mit dem passenden Schlüssel geöffnet werden kann. Wenn man sich mit dem Thema mal etwas genauer befasst stellt man jedoch fest, dass der Sperrmechanismus in der Regel aus Metallstiften besteht, die in eine bestimmte Position gebracht werden müssen um die Verriegelung zu lösen. Der Schlüssel ist das Werkzeug dazu. Auf der Barriere im Kopf steht ein dickes Schild "Der Schlüssel ist das einzige Werkzeug, welches das kann". Wenn man mal akzeptiert hat, das es noch mehr Werkzeuge gibt, welche genau das selbe können (nämlich das bewegen von Metallstiften) ist man schon ein gutes Stück weiter.

Hacken und Politik

An dieser Stelle kommt auch wieder die Politik ins Spiel, und die Black- und Whitehats. Hacker bekommen nach einer Weile ein ganz gutes Gefühl dafür welche Barrieren wir uns nur einbilden, sie leben also in einer Welt mit deutlich weniger Einschränkungen.

Gesetze sind solche Einschränkungen. Das Hinterziehen von Steuern ist zu Beispiel gesetzlich verboten. Dennoch ist es natürlich möglich Steuern einfach nicht zu bezahlen. Wie lange man damit durchkommt hängt ebenso wie beim Türschloss davon ab, wie genau man die Mechanik des Steuersystems kennt. Für mich Otto-Normal-Steuerzahler gibt es da die geistige Barriere "Wenn Du nicht bezahlst packen sie dich sowieso irgendwann dabei". Ich gehe davon aus, das Menschen, die sich in der Wirtschaft auskennen das durchaus entspannter sehen. Für sie existiert diese Barriere nicht.

An dieser Stelle trennt sich auch Whitehat von Blackhat. Der Böse denkt sich nun, "Hey, ich habe eine Lücke gefunden, ich muss ab jetzt keine Steuern mehr zahlen". Der Gute denkt "Hey, da ist eine Lücke im System", und wägt ab, welche Konsequenzen die Existenz der Lücke hat. Er stellt den Eigennutz nicht über den Gesamtnutzen der Gesellschaft. Denn wir brauchen eine ausreichende Anzahl Steuerzahler wenn wir gesellschaftliche Projekte finanzieren wollen.

Wenn Hacker ihr "Talent" (welches eher eine Fähigkeit ist, die man sich durchaus an trainieren kann) für politische Zwecke einsetzen, dann geht es in der Regel darum solche Lücken im Gesellschaftlichen Regelwerk zu finden, und zu schließen, um den Gesamtnutzen der Gesellschaft zu erhöhen. Ich glaube nicht, dass Hacker wirklich gute Politiker sind, aber ich denke ein Politiker kann deutlich bessere Politik machen, wenn er ab und zu mal wie ein Hacker denkt.