Gute Nacht, liebes Internet

In letzter Zeit bin ich immer mal wieder mit dem Thema Urheberrecht konfrontiert. Hauptsächlich, weil im Bekanntenkreis schon mal die ein oder andere Abmahnung ins Haus flattert, und es dann heisst: Wie machst Du das denn mit dem Filme runter laden?.

Wie ich das wirklich mache verrate ich aber erst später.

Am Wochenende sah ich dann auf Twitter, das dort jemand einfach nur aus Spaß an der Freude eine kleine Kindergeschichte quasi als Gute-Nacht-Geschichte aufgenommen hatte, und per Webseite mit anderen Leuten geteilt hatte. Das ist die Sorte netter Aufmerksamkeit aus der der Kitt der sozialen Netzwerke ist, und auf den ersten Blick nicht dramatisch. Aber ich bekam schon ein ungutes Gefühl.

Gott sei Dank bekam die Person dann doch noch Bedenken. Ich hätte es Schade gefunden, wenn dort irgendwann mal eine Abmahnung im Briefkasten gelegen hätte, wegen so einer Kleinigkeit.

Die Untiefen des Urheberrechts

Aber genau da liegt die Falle beim Umgang mit dem Urheberrecht. Der Grund warum ein Urheberrechtsverstoß begangen wurde ist nämlich erst mal zweitrangig. Die Abmahnung (oder besser: kostenbewehrte Unterlassungserklärung) liegt in der Regel bei einigen hundert Euro, und das ist mir die Sache bereits nicht mehr wert. Theoretisch gibt es zwar seit geraumer Zeit die Aussage, das die normale Abmahnung in so einem Fall 100 Euro nicht überschreiten darf, aber dieses Gesetz hat dann gleich ein paar Ausnahmen. Zum Beispiel gilt es nicht bei gewerblichen Urheberrechtsverletzungen. Diese ist jedoch schnell erreicht, wenn die gegnerische Seite bereits bei zwei oder drei Dateien von gewerblicher Rechtsverletzung ausgeht.

"Aber wer sollte mich da schon Abmahnen?" ist durchaus eine Frage, die ich dann öfters höre. Bei den vorgelesenen Kinderbüchern sind das unter Umständen nicht mal wenige Leute.

  • zunächst mal der Autor selbst, wenn er es denn mitbekommt
  • dann noch der Verlag, der ja die Verwertungsrechte hat. Für den ist es in der Regel am einfachsten, weil vor allem große Verlage da auch eigene Anwälte haben, und das quasi zur Routine gehört
  • in diesem Fall ist es zum Beispiel auch so gewesen, das es diese Geschichte bereit als kommerzielles Audiofile zum Download gab, von einem Hörspielverlag, der sich bestimmt nicht gefreut hätte, das er die Rechte teuer bezahlen musste, und ein Internetuser das einfach mal so macht

Dadurch, das die Datei an einigen Stellen verlinkt war, war sie auch noch recht einfach zu finden, da ist so eine Abmahnung dann schnell gemacht.

Es ist eigentlich gar nicht so schwer

Dabei ist es eigentlich einfach zu erkennen, ob ich ein Werk, oder eine Ableitung davon (das Vorlesen) im Internet veröffentlichen darf. Wenn die ausdrückliche Erlaubnis des Autors vorliegt, darf man es. Nun wird der ein oder andere einwenden, das im Internet doch in der Regel nie eine Erlaubnis vorliegt.

Genau! Der Regel in diesem Falle lautet Im Zweifel nie

Es gibt übrigens durchaus viele Werke (Bilder, Musik, Videos) bei denen ausdrücklich dabei steht, das sie weiterverwendet werden dürfen, und unter welchen Bedingungen. Hier hilft einem Google weiter, wenn man mal nach "Creative Commons" sucht. Ein Konzept der Weiterverarbeitung von kreativen Werken die auf Respekt vor der Arbeit anderer beruht.

Und wo wir gerade bei Respekt sind. Das Buch war trotz allem wunderbar vorgelesen. Ich würde mich über eine selbst geschriebene und vorgelesene Geschichte freuen. Vielleicht dann unter einer freien Lizenz.

Und wo lade ich meine Spielfilme herunter? Ich habe dazu eine DVB-S Karte im Rechner, also nehme ich sie ganz einfach aus dem Fernsehen auf, wie früher mit dem Videorekorder, nur eben in digital. Software durchsucht für mich den Film schon mal vorab nach Werbung, und so brauche ich nur noch den Feinschnitt machen, und das ganze auf DVD brennen. Wenn ich einen brandneuen Film sehen will, schnappe ich mir ein paar Freunde und gehe ins Kino.