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Es hat sich so ergeben, dass ich bis auf weiteres alleine für den Haushalt und vor allem auch für die Ernährung in unserem Haushalt zuständig bin. Und da jeden Tag Pizza auch keine Lösung ist, will ich kochen lernen.

Die Ausgangssituation

Ich kann kochen. Also rein formal. Ich habe in der 9. Klasse für ein halbes Jahr Kochunterricht gehabt. Zugegeben, das ist schon mehr als 30 Jahre her, und es ist fast nichts mehr aus der Zeit übrig geblieben. Außer einer Abneigung gegen Flammerie, und dem Nichtwissen, was Flammerie eigentlich ist. Dann habe ich noch ein paar mal in meinem Leben einzelne Kochkurse besucht.

Dort wurde aber im wesentlichen nach Rezept gekocht, und mir fehlte immer das Gefühl dafür, wie weit ich vom Rezept abweichen darf, ohne dass das ganze ungenießbar wird. Wann muß ich mich sehr exakt an das Rezept halten, und wann darf ich durchaus kreativ mit den Mengen umgehen? Und was zur Hölle ist eigentlich eine "Prise" Salz?

Mein eigener Haushalt

Genau genommen ist es eben nicht nur mein eigener Haushalt. Denn dann wäre ich ja nur für mich selbst verantwortich, und selbst schuld wenn ich ein Jahr nur von Chips, Cola, Burgern und Pizza lebe. Nun wohnt hier aber auch noch meine Tochter, ein Teenager in der Wachstumsphase, und da sind die Ansprüche an eine gesunde Ernährung schon deutlich höher. Das Thema Vegetarismus kommt noch hinzu.

Nachdem ich in den ersten Monaten neben dem bloßen Kochen auch zunächst mal damit beschäftigt war den gesamten Haushaltsablauf auf meine Arbeitsweise umzustellen, habe ich mich an bewährtes gehalten. Ich habe mir Rezepte bei Chefkoch.de rausgesucht und einfach nachgekocht. Im Laufe der Zeit fiel mir aber immer mehr auf, dass ich dabei nicht wirklich viel lerne. Und ich lerne gerne.

Nun haben wir einen knappen Meter Kochbücher zu Hause und ich habe bereits in viele davon rein geschaut. Die meisten davon sind wunderschön fotografierte Rezeptsammlungen. Wenn man Glück hat enthalten sie noch ein paar Tipps und Tricks zu den einzelnen Rezepten, aber dennoch verwenden fast alle Bücher wie selbstverständlich Begriffe wie "Anschwitzen", "Pochieren" und ähnliches.

Der Programmierer in mir

Irgendwann fiel mir auf, dass ich damit vor ähnlichen Problemen stehe, wie Menschen, die das erste Mal mit einer Programmiersprache konfrontiert werden. Schon das Vokabular ist seltsam, und wenn ich ein Buch gefunden habe, dass mir dieses Vokabular erklärt, muss ich mich immer noch mit meinen Werkzeugen zu recht finden. Dem Editor oder dem Herd, dem Debugger oder den Töpfen. Ich muß Standard-Libraries kennen und wie ich sie verwende, so wie ich in der Küche meine Hülsenfrüchte kennen muß, und wann ich welche einsetzen kann.

Erst dann kann ich wirklich kreativ werden, und diese Kreativität ist der Punkt ab dem das Programmieren Spaß macht. Etwa so stelle ich mir das auch beim Kochen vor.

Der Plan

Ich will kochen lernen. Also das Handwerk. Die Kunst kommt dann später. Ich will wissen wie Mehl funktioniert, und wie es sich in Wasser oder Fett verhält bei verschiedenen Temperaturen. Ich will wissen, ob sich Lebensmittel unterschiedlich verhalten, je nachdem ob man sie in kaltem Wasser hochkocht, oder in kochendes Wasser gibt. Und ich will wissen warum. Irgendwann fiel mir ein, dass es einen ganzen Berufsstand gibt der sich damit auskennt: Berufsköche (Ich hatte das kochen bis dahin eher von der Haushalts-Seite betrachtet)

Und diese Berufsköche müssen dieses Wissen ja auch zunächst mal erwerben. Das tun sie normalerweise während ihrer Ausbildung. Also habe ich mich mal schlau gemacht, aus welchen Büchern Berufsköche eigentlich ihr Wissen in der Berufsschule beziehen.

Das absolute Standardwerk scheint dabei Der junge Koch/Die junge Köchin zu sein. Ich habe mir das Buch in der Zwischenzeit bestellt, und es beinhaltet wirklich, genau das, was ich mir davon versprochen habe. Natürlich sind auch Teile darin, die mich nicht interessieren. Zum Beispiel der typische Aufbau von Küchen in Gastronomie oder gar Systemgastronomie, aber auch daraus kann man spannende Einsichten für die heimische Küche gewinnen.

Ach die Teile über Hygiene und Unfallverhütung enthalten viele wertvolle Tipps.

Ansonsten geht es um Grundtechniken, Garverfahren, die Zubereitung einfacher Speisen, Lagerung von Speisen, sowie die Verarbeitung aller wichtigen Lebensmittel. Ich erfahre also, wie ich sinnvoll Pilze putze, wie verschiedene Fette mit verschiedenen Lebensmitteln in Wechselwirkung treten, und dann eben auch, wie ich das fertige Produkt bewerbe und verkaufe. Letzteres ist im Haushalt natürlich nicht nötig, aber es ist spannend zu sehen, wie die Kalkulation in einem Restaurant funktioniert.

Dazu habe ich mir noch ein Nachschlagewerk besorgt, Herings Lexikon der Küche. Darin sind mehr als 32.000 Rezept- und Fachworterklärungen für die klassische, die moderne und die asiatische Küche zu finden. Schön sortiert nach Kategorien wie Vorspeise, Suppe, Hauptgericht, Saucen. Nebenbei enthält es noch so spannende Informationen wie einen Zerlegeplan für Rind, Schwein & Wild, mit den entsprechenden Bezeichnungen wie Oberschale oder T-Bone-Steak

Wer mal schnell wissen will, was ein Kalbssteak zu einem Kalbssteak Maryland macht, oder was Kroketten von Herzoginnen-Kartoffeln unterscheidet ist hier immer gut aufgehoben.

Die beiden Bücher werden in nächster Zeit auf jeden Fall meine treuen Begleiter in der Küche sein. So wie das Buch Programmierung des Z80 zu der Zeit als ich das Programmieren gelernt habe. Ich werde hier auf jeden Fall noch über so einige Erfahrungen die ich dabei sammle aus der Sicht eines Programmierers berichten.