ÖPNV - Der Tag an dem wir Kontakt aufnehmen

Atheist Bus Campaign Bild: Atheist Bus Campaign - Bestimmte Rechte vorbehalten: McGeddon (cc-by 2.0)

Das Töchterlein wird ja langsam flügge, und erkundet so immer mehr ihrer Umgebung. Mittlerweile gehen diese Ausflüge bis in die nächste Stadt. Zeit sich mit dem ÖPNV zu beschäftigen.

Nun ist es nicht wirklich das erste mal, dass sie Bus fährt, aber bisher pendelt sie halt nur täglich mit dem Schulbus in den Nachbarort und benötigt dafür lediglich ein Schüler-Ticket. Das gibt es zum Anfang jedes Schuljahres zusammen mit den Monatswertmarken und ist in der Handhabung recht einfach.

Diesmal sollte es aber bis in die nächste größere Stadt auf Shoppingtour gehen, mit der zusätzlichen Erschwernis, dass unterwegs noch eine Freundin zusteigen wollte. Inklusive des Kaufs eines korrekten Fahrscheins und dem herausfinden der passenden Haltestellen.

Wir wohnen hier draußen auf dem Lande in der Preiszone 5. Das würde für ein Kind einen Fahrpreis von 3,80€ ergeben. Ihre Freundin wollte schon innerhalb des Stadtgebiets zusteigen, was 1,30€ entspräche.

Der Hinweg

Kurz nach dem Start der Reise bekam ich eine Nachricht via Whats-App.

Hat alles geklappt. Die Fahrt kostet sogar nur 1,50€

Das machte mich dann doch etwas stutzig. Immerhin ist das nicht mal der halbe Fahrpreis. Eine kurze Recherche auf der Webseite des Verkehrsverbundes ergab ebenfalls keinen Hinweis auf eine Ferienaktion für Kinder, und der Kinderfahrpreis von 1,50 Euro existiert im Tarifgefüge überhaupt nicht. Ich habe also mal nachgefragt, ob sie das Ticket mal fotografieren könnte.

Zumindest bot das Foto eine Erklärung für den Preis. Es handelte sich um ein Ticket der Preisstufe “K” was für den Busfahrer vermutlich “Kind” bedeutete. In wirklichkeit bedeutet es “Kurzstrecke” und ist damit nur für 3 Haltestellen ab der Einstiegshaltestelle gültig, also gerade mal bis zum Ende unseres Dorfes.

Bestätigt wurde diese Annahme nochmal durch das Ticket der Freundin, die ebenfalls ein “K” Ticket bekam, und damit 1,50€ bezahlen musste, obwohl ihr Kinderticket fürs Stadtgebiet eigentlich nur 1,30€ gekostet hätte. Kurzstreckentickets gibt’s nämlich nur im Erwachsenentarif.

Der Rückweg

Auf dem Rückweg lief dann schon einiges besser. Besagte Freundin bekam tatsächlich ein Kinderticket für den Preis von 1,30€ und das Töchterlein bekam nach Angabe des Zielortes ein Kinderticket für den Preis von 3,00 Euro. Das ist zwar immer noch nicht der passende Preis, aber immerhin schon mal nah dran. Der Busfahrer wusste eben einfach nicht, zu welcher Tarifzone unser Ort gehört und hat eine Zone zu tief gegriffen.

Mich würde mal interessieren, was wohl passiert wäre, wenn die beiden in eine Fahrscheinkontrolle geraten wären. Immerhin war das Töchterlein ohne eigenes Verschulden 60% der Strecke ohne gültigen Fahrschein unterwegs.

Eigentlich sollte die Aktion auch der Übung für das Töchterlein im selbstständigen Umgang mit Fahrplänen und Tarifstrukturen im öffentlichen Nahverkehr dienen, aber von vier gekauften Tickets entsprach dabei nur eines einem passenden Fahrschein.

Wenn ich andererseits auf meine 40 Jahre Erfahrung mit Verkehrsbetrieben zurückblicke, hat sie eigentlich gestern ein absolut realistisches Bild der Lage erhalten. Danke liebe Verkehrsdienstleister, dasss ihr wenigstens euren Bildungsauftrag so ernst nehmt.